Alkohol

Das Bier zum Feierabend, das Gläschen Sekt zum Anstoßen, das Verdauungsschnapserl oder ein gutes Achterl Rotwein zum Abendessen – Alkohol ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und als Genussmittel akzeptiert. Doch wie viel Alkohol verträgt unser Organismus, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen?

Was ist eigentlich Alkohol?

Im Prinzip sind Alkohole chemische Verbindungen, die ähnliche Eigenschaften besitzen. Alkoholische Getränke enthalten eine davon, den sogenannte Ethanol, der entsteht, wenn Getreide, Früchte und andere Zuckerquellen fermentieren. Ein Prozess, der wahrscheinlich bereits in der Steinzeit zufällig entdeckt wurde und z. B. nachweislich vor 5.000 Jahren im alten Ägypten zur Herstellung von Bier und Wein genutzt wurde.

Vom Genuss zur Sucht

Während rund 20 % der heimischen Bevölkerung (ab 15 Jahren) überhaupt keinen Alkohol zu sich nimmt, trinken ca. 1 Million Menschen regelmäßig Alkohol – und das zum Teil in einer Menge, die bereits problematisch werden kann. Männer sind dabei um einiges stärker gefährdet, in eine Abhängigkeit zu rutschen, als Frauen. Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es übrigens auch in der Wirkung des Alkohols: bei Frauen ist nach dem Konsum derselben Menge ein etwa um ein Drittel höherer Promillewert festzustellen, der sich durch das Verhältnis von Muskel- zu Fettmasse im Körper ergibt.

Wie viel ist zu viel?

Da in Getränken verschiedene Mengen Alkohol zu finden sind, wird der jeweilige Alkoholgehalt umgerechnet und in Gramm angegeben. So entsprechen 20 g z. B. einem halben Liter Bier (5 Vol.-%), einem Vierterl Wein oder Sekt (10 Vol.-%) oder drei 2-cl-Schnäpsen (40 Vol.-%).

Bis zu 24 g bei Männern und 16 g bei Frauen – das sind 0,6 l bzw. 0,4 l Bier – gelten als risikoarmer Konsum und sogenannte Harmlosigkeitsgrenze. Diese sollte von gesunden Erwachsenen nicht überschritten werden und zudem werden zwei abstinente Tage pro Woche empfohlen.

Der problematische Konsum beginnt bei der Gefährdungsgrenze von 60 bzw. 40 g reinem Alkohol pro Tag, also bei 1,5 l bzw. 1 l Bier. Wer diese Grenze überschreitet, ist in Gefahr, eine Abhängigkeit zu entwickeln, wobei der Übergang fließend ist und nur schwer kontrolliert werden kann.

Anzeichen für eine Sucht

Die täglich konsumierte Menge ist nur ein Kriterium, an dem sich eine Sucht festmachen lässt. Die Weltgesundheitsorganisation zählt weitere auf, die – sollten drei davon auf Sie zutreffen – auf eine Abhängigkeit hindeuten können.

• Besteht ein starker Wunsch, Alkohol zu trinken?

• Haben Sie Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren?

• Trinken Sie weiter, obwohl bereits schädliche Folgen spürbar sind?

• Vernachlässigen Sie andere Aktivitäten und Verpflichtungen, um zu trinken?

• Gibt es eine Toleranzentwicklung? Müssen Sie mehr trinken, um denselben Effekt zu erzielen?

• Kommt es zu körperlichen Entzugssymptomen, wenn Sie nicht trinken?

Promille und die Folgen

Der Blutalkohol wird in Promille gemessen, das bedeutet 1 ‰ steht – im Gegensatz zu Prozent (100) – für ein Tausendstel. Doch wie wirkt sich der Grad der Alkoholisierung auf unseren Körper aus? Dafür haben wir die nachfolgende Tabelle zusammengestellt.

Promille

geistige Anzeichen

körperliche Anzeichen

ab 0,2

Risikobereitschaft und Stimmung steigen, Konzentrationsfähigkeit leidet, Urteils- und Kritikfähigkeit werden schlechter

Seh- und Hörvermögen lassen nach

ab 0,5

Selbstüberschätzung, Enthemmung setzt ein, intensive Gefühlsausbrüche (Wut, Freude, Trauer)

Reaktionsvermögen lässt nach, es kommt zu leichten Gleichgewichtsstörungen

ab 0,8

Gehirn verarbeitet Informationen nur noch mangelhaft, zunehmende Enthemmung

Reaktionszeit um 35 % verlängert, Blickfeld verengt sich (Tunnelblick)

1–2

Rauschstadium: Verlust der Selbstkontrolle, Anzeichen von Verwirrtheit, Enthemmung nimmt weiter zu

Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen, erste Sprachprobleme, Gehen/Stehen fällt schwer

2–3

Betäubungsstadium: Verwirrtheit nimmt zu, Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen

erste Atemschwierigkeiten, Erbrechen, Bewusstlosigkeit möglich, Muskelerschlaffung, Alkoholvergiftung

3–5

Lähmungsstadium: Gedächtnisverlust, tiefe Lähmung des Nervensystems

Unterkühlung, unkontrollierte Ausscheidung, Bewusstlosigkeit, Koma, schwache Atmung bis hin zum tödlichen Atemstillstand

Langfristige Konsequenzen

Über eines sollte man sich immer im Klaren sein. Alkohol ist eigentlich ein Schadstoff, und unser Körper verrichtet Schwerarbeit, um ihn wieder abzubauen. Eine kontinuierliche Überbelastung des Organismus hat in jedem Fall Folgen. Inwieweit es zu schweren Schäden und Erkrankungen kommt, hängt zwar von Gesundheitszustand, Lebensweise und Kondition des Einzelnen ab, dass ein Missbrauch über Jahre hinweg jedoch drastisch enden kann, ist bewiesen. Chronischer Alkoholkonsum fördert die Entstehung einer Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose und Leberkrebs, führt zu Schleimhautschäden in der Speiseröhre sowie im Magen-Darm-Trakt und begünstigt Bauchspeicheldrüsenentzündung, Diabetes, Arteriosklerose und Gicht. Ebenso auftreten können Hormon-, Sexual- und Zyklusstörungen, psychische Erkrankungen (Depressionen) sowie eine allgemeine Schwächung des Nervensystems und der Immunabwehr.

Trinken verboten!

Auch ein Gläschen kann schon zu viel sein – und zwar in der Schwangerschaft! Hier wurde festgestellt, dass bereits kleinste Mengen in spezifischen Entwicklungsphasen ausreichen, um schwere Schäden zu verursachen. Der Grund dafür: Der Alkohol gelangt in den Blutkreislauf des Embryos und kann dort von der noch unfertigen Leber nicht abgebaut werden. Man schätzt, dass etwa 10 von 1.000 Neugeborenen eine Form von Behinderung durch den Konsum von Alkohol in der Schwangerschaft davontragen.

Sie sehen, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol für jeden in unserer Gesellschaft ist. In Maßen genossen, hat er sogar positive Effekte auf unsere Gesundheit. Gegen ein Gläschen beim Essen oder zur Entspannung ist also gar nichts einzuwenden. Wenn aber aus dem Genuss ein „Muss“ wird, sollte man handeln, bevor es möglicherweise irgendwann zu spät ist.