Frühjahrsmüdigkeit

Vielen Menschen geht es zurzeit gleich – sie fühlen sich in den ersten Monaten des Jahres viel müder und klagen über Beschwerden, die das Allgemeinbefinden empfindlich trüben. In unserem aktuellen Fachinterview mit Frau Mag. Rothauer, Rat & Tat Apothekerin aus Kirchdorf, einer Expertin in diesem Bereich, erfahren Sie alles zu den möglichen Ursachen und welche Wege es gibt, dieser Problematik entgegenzuwirken.

Frau Mag. Rothauer, was versteht man eigentlich unter Frühjahrsmüdigkeit?

Die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit ist im Prinzip ein Symptomkomplex, der aus mehreren unterschiedlichen Beschwerden besteht und sich bei jedem Menschen anders darstellen kann. Zumeist verspürt man Antriebs- und Kraftlosigkeit, Müdigkeit, ist abgeschlagen, erschöpft sowie gereizt und leidet unter vermehrter Wetterfühligkeit. Dazu können oft noch Schwindel und Kreislaufprobleme kommen.

Wo liegen hier die Ursachen?

Zum einen gehen die körpereigenen Energiereserven nach dem langen, dunklen Winter zur Neige, zum anderen macht uns der Wechsel von der dunklen zurück zur hellen Jahreszeit – inklusive des zusätzlichen Mini-Jetlags bei der Zeitumstellung – zu schaffen. Man geht davon aus, dass die in diesen Monaten stattfindende hormonelle Umstellung unseres Organismus eine der Hauptursachen für das Auftreten der Frühjahrsmüdigkeit ist.

Weiß man, welche Hormone hier beteiligt sind?

Eine Studie der Georgetown University in Washington belegt, dass zu niedrige Serotonin- und Dopaminspiegel wesentliche Faktoren sind. Bei Serotonin handelt es sich um einen speziellen Botenstoff, der bei uns Menschen für die gute Laune verantwortlich ist. Die Vorräte dieses Glückshormons werden im Winter nach und nach aufgebraucht, während der Körper in der dunklen Jahreszeit gleichzeitig hohe Dosen des Schlafhormons Melatonin produziert. Im Frühling sorgt das vermehrte Tageslicht für eine Steigerung der Serotonin-Produktion, während der Organismus die Melatonin-Herstellung zurückfährt. Da dies nicht immer geregelt abläuft, kann der Körper durcheinandergeraten. Die Folge ist die Frühjahrsmüdigkeit.

Kann man als Betroffener etwas tun?

Nicht nur als Betroffener, gerade verbeugend könnte man so einige Dinge beachten, die unter Umständen dabei helfen, die Frühjahrsmüdigkeit gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ganz wichtig ist es, sich so oft wie möglich im Freien aufzuhalten. Die langsam wieder stärker werdenden Sonnenstrahlen und das helle Tageslicht kurbeln die Produktion von Serotonin wieder an, was den Körper bei der Umstellung unterstützt. Ebenso hilfreich ist Bewegung. Leichte sportliche Aktivitäten regen den Kreislauf an und versorgen den Organismus mit zusätzlichem Sauerstoff. Ebenso nützlich können in dieser Hinsicht Wechselduschen am Morgen sein.

Gibt es auch Dinge, die man hinsichtlich Ernährung beachten sollte?

Selbstverständlich! Gerade für die Verdauung von besonders schweren oder fetten Speisen braucht der Körper zusätzliche Energie. Deshalb am besten die belastenden Köstlichkeiten streichen und auf eine gesunde, vitaminreiche Ernährung achten. Viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Kartoffeln sowie Hülsenfrüchte sollten vermehrt auf dem Speiseplan stehen. Dabei besser mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen. Speziell wenn man sich kraftlos fühlt, können große Portionen dieses Gefühl zusätzlich verstärken. Und gönnen Sie sich ruhig ab und zu ein kleines Stück Schokolade, das schadet nicht, ist aber für viele ein Booster für die gute Laune. Positiv kann sich auch die Gabe von Magnesium auswirken. Und viel trinken, das bringt die Verdauung in Schwung!

Hilft es gegen Frühjahrsmüdigkeit, mehr zu schlafen?

Das ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Der eine kommt sowieso mit vier Stunden aus und startet erholt in den Tag, der andere wiederum braucht bis zu 12 Stunden Schlaf. Die früher als optimal angenommenen acht Stunden sind mittlerweile längst widerlegt. Man sollte für sich selbst herausfinden, wie lange die persönlich benötigte Schlafzeit ist und sich dann an diese halten. Ab und zu mal mit etwas weniger Nachtruhe auszukommen, ist kein Problem. Wer aber auf Dauer zu wenig schläft, schadet seiner Gesundheit und nimmt unter Umständen sogar Organschäden in Kauf.

Wann sollte man sich bei Beschwerden an einen Arzt wenden?

Einerseits natürlich, wenn die Probleme die Lebensqualität zu sehr beeinflussen bzw. Anlass zur Sorge geben. Andererseits ist auch bei einer dauerhaften Frühjahrsmüdigkeit Vorsicht geboten. Denn falls die Gegenmaßnahmen nicht fruchten und die Symptome monatelang anhalten bzw. die Leistungsfähigkeit entscheidend nachlässt und man bleierne Müdigkeit verspürt, kann sich bereits eine Depression entwickelt haben. Die Grenze ist hier in manchen Fällen nicht genau zu definieren und sollte unbedingt fachärztlich abgeklärt werden.

Haben Sie abschließend noch ein paar Tipps gegen Frühjahrsmüdigkeit für uns?

Gerne! - Kurbeln Sie nach dem Winter Ihren Hormonhaushalt wieder an! Ideal sind dafür viel Bewegung an der frischen Luft und Spaziergänge im Sonnenlicht.

- Auch wenn es einigen schwerfällt – pushen Sie Ihr Immunsystem mit morgendlichen Wechselduschen und machen Sie sich fit für den Frühlingsanfang!

- Bei Ihren Aktivitäten sollten Sie sich keinesfalls überfordern. Lassen Sie ereignisreiche Tage am Abend gemütlich ausklingen! - Beim Essen auf viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und mageres Fleisch achten! So sagen Sie dem Winterspeck ade. - Wenn Sie die Müdigkeit gar nicht mehr loslassen will und Sie Abgeschlagenheit und Konzentrationsprobleme plagen, fragen Sie in der Rat & Tat Apotheke nach Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen! Hier finden Sie wertvolle Eigenprodukte für die verschiedensten Anwendungsbereiche.