Grapefruit-Interaktionen

Manche meiden sie ob ihres bitteren Geschmackes, viele lieben sie dafür – die Grapefruit. Sie steht ihrem lateinischen Namen nach für eine paradiesische Zitrusfrucht und ist noch gar nicht so alt, wie man vielleicht annehmen würde. Wenn man diversen Quellen trauen darf, entstand Citrus paradisi erst im 18. Jahrhundert in der Karibik. Möglicherweise rein zufällig kam es zur Kreuzung einer Pampelmuse mit einer Orange, und die Grapefruit war geboren. Mittlerweile ist die herbe Südfrucht mit ihren verschiedenen Sorten aus unseren Supermärkten nicht mehr wegzudenken und wird als Obst, gepresst oder in Mischgetränken sehr geschätzt. Angebaut wird die Frucht in Europa in Spanien und Zypern bzw. weltweit in den USA, Mexiko, Israel, Marokko und Südafrika.

Gute Eigenschaften

Die eigentlich zu den Beeren zählende Frucht bringt viel Positives mit sich. Das Fruchtfleisch sowie der Saft enthalten wertvolle Antioxidantien, sogenannte Radikalfänger, und nur eine Grapefruit deckt den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C. Ihr wird zudem eine unterstützende Wirkung beim Senken des Blutzuckerspiegels nachgesagt. Citrus paradisi gilt als appetitanregend, darmreinigend, hilft bei Venenleiden und stärkt das Immunsystem. Also eigentlich ein wunderbares und gesundes Obst, aber leider nur eigentlich, denn die Inhaltsstoffe der Grapefruit haben auch nicht so wünschenswerte Eigenschaften. Dann nämlich, wenn es um die Beeinflussung von Arzneimitteln geht.

Was passiert bei der Medikamenten-Einnahme?

Die Arzneistoffe, welche über Tabletten, Kapseln oder Tropfen in den Körper gelangen, werden im Magen-Darm-Trakt aufgenommen und gelangen so in unser Blut. Wie schnell und effektiv diese Aufnahme erfolgt, hängt stets von der gleichzeitig verzehrten Nahrung ab. Nicht umsonst gibt es genaue Vorgaben, ob ein Medikament nüchtern, zu oder erst nach den Mahlzeiten eingenommen werden muss. Ebenso können natürliche Substanzen die Wirksamkeit von Präparaten beeinflussen. Und dazu gehört leider auch die köstliche Grapefruit.

Pharmakologische Interaktionen

Eigentlich zufällig wurde 1989 entdeckt und in den Jahren darauf in Studien belegt, dass die Grapefruit – und dabei nicht nur der Saft, sondern die ganze Frucht – zu erheblichen Wechselwirkungen mit pharmazeutischen Substanzen führen kann. So werden manche Medikamente verstärkt und bei anderen wiederum die Aufnahme behindert. Um das besser zu verstehen, beobachten wir kurz, wie überhaupt eine Arzneimittelwirkung im Organismus zustande kommen kann: Viele Medikamente, die wir verordnet bekommen, müssen im Körper erst einmal chemisch verändert werden, damit sie überhaupt etwas bewirken können. Die so entstandenen Substanzen (Metaboliten) unterscheiden sich vom originalen Arzneistoff. Oft muss in der Leber überhaupt erst eine aktive, also wirkungsvolle Form entstehen, um dann wieder langsam deaktiviert und aus dem Körper ausgeschieden zu werden. Dafür haben wir im Organismus eine ganze Reihe an wichtigen Enzymen, die für diese Arbeit zuständig sind und dafür sorgen, dass die richtige Dosis aus den Medikamenten freigesetzt und ihre Wirkung im Organismus zur Verfügung steht. Dabei sollten natürlich auch möglichst wenige Nebenwirkungen zu spüren sein.

Dieses System arbeitet zwar ausgezeichnet, steht aber nicht nur den Medikamenten zur Verfügung. Auch Nahrungsmittel werden im Körper verarbeitet – und manchmal eben über genau dieselben Enzyme, wie unsere Arzneistoffe. So geschieht das auch mit der Grapefruit. Kein Wunder also, dass es da zu Behinderungen kommen muss.

Wie sich diese Interaktionen auswirken können, ist großteils gut untersucht. Die Palette reicht von wirkungslos bis dahin, dass verstärkte Nebenwirkungen spürbar sind und bedeutet in jedem Fall einen unerwünschten Effekt.

Je nachdem, ob die gleichzeitig anwesende Grapefruit unser eigenes Enzymsystem aktiviert oder blockiert, können unangenehme bis sogar gefährliche Wirkungen auftreten.

Ihre Rat & Tat Apothekerinnen und Apotheker geben Ihnen bei der Abgabe von Medikamenten stets wichtige Hinweise zur Verwendung und Einnahme. Zögern Sie nicht, sie nach möglichen Interaktionen mit Grapefruit, anderen natürlichen Substanzen oder möglicherweise harmlosen rezeptfreien Präparaten zu fragen. Denn hier gibt es ebenso teils überraschende Wechselwirkungen, die unter Umständen von größter Wichtigkeit sein können.