Migräne

An Kopfschmerzen leidet fast jeder Mensch irgendwann einmal. Ob Grippe, Verkühlung, Verspannungen, Zugluft oder am Vorabend ein Gläschen zu viel – die unangenehmen Schmerzen können einem das Leben zeitweise schwer machen. Doch während sich leichte Beschwerden meist rasch wieder legen, sorgen Migräneanfälle für eine extreme Einschränkung, die teilweise über Tage andauern kann und die Betroffenen oft extrem belastet. Als Experten/Expertin haben wir in dieser Ausgabe Frau Mag. Reitbauer, Rat & Tat Apothekerin aus Gänserndorf, gebeten, uns ein paar Fragen zu diesem Thema zu beantworten.

Frau Mag. Reitbauer, was versteht man eigentlich unter „Migräne“?

Wie so oft in der Medizin versteckt sich hinter dem Namen einer Erkrankung eine Beschreibung der Symptome. In diesem Fall stammt diese aus dem Altgriechischen, wobei „hemikrania“ so viel wie „Kopfschmerz auf einer Seite“ bedeutet. Die Migräne ist aber nur eine von insgesamt etwa 300 verschiedenen Kopfschmerzarten, allerdings die bei Weitem häufigste. In Österreich sind rund 10 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Wie oft kann dieser Schmerz auftreten?

Das ist ganz unterschiedlich. Charakteristisch ist der anfallsartige pulsierende, pochende oder stechende Kopfschmerz, welcher in unregelmäßigen Abständen wiederkehrt. Bei manchen Personen nur ein oder zwei Mal im Jahr, bei anderen mehrmals pro Monat oder zum Teil fast täglich. Die Attacken können kurz sein und nur wenige Stunden dauern oder sich leider bis zu drei Tagen hinziehen. Zu den Kopfschmerzen kommen oft noch Appetitlosigkeit, Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit, wobei jede Bewegung die Symptome verschlimmert. So sind manche Betroffene sogar außerstande, ihrer Arbeit nachzugehen.

Treten noch weitere Symptome auf?

Häufig wird von Migränepatienten eine sogenannte „Aura“ beobachtet. Darunter versteht man Sehstörungen, die vor den Kopfschmerzen auftreten und bis zu einer Stunde andauern. Man nimmt ein Flimmern, Lichtpunkte, Zickzack-Linien oder Doppelbilder wahr, es kann aber auch zu Sehausfällen, Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Gesichtsschmerzen kommen. Meistens folgt nach diesen Symptomen der typische Kopfschmerz, allerdings treten diese Auren manchmal isoliert, also ohne weitere Probleme, auf.

Bestehen Unterschiede in puncto Alter oder Geschlecht?

Ja, Frauen leiden deutlich häufiger an Migräne als Männer, was zum Teil durch die regelmäßig auftretenden Hormonschwankungen erklärt werden kann. Die erste Attacke erleiden die meisten Frauen zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr, Männer etwas später, ca. mit 16 bis 20 Jahren. Allerdings sind ebenso 5 % Kleinkinder von diesen Beschwerden betroffen. Ihren Höhepunkt an Intensität und Häufigkeit erreichen die Migräneattacken bei Menschen zwischen 30 und 40, nach dem 55. Lebensjahr klingen sie zumeist langsam aus.

Welche Auslöser für Migräne gibt es?

Die Ursachen können vielfältig und ganz unterschiedlicher Natur sein. So ist es möglich, dass die bereits erwähnten Hormonschwankungen und Stress zu Attacken führen, wobei hier der Kopfschmerz meistens erst in der Entspannungsphase einsetzt. Zudem spielen Umweltreize, wie Kälte, Wärme oder Lärm, eine große Rolle. Ganz wesentliche Auslöser sind manche Nahrungsmittel, Nikotin und Alkohol. Allen Faktoren gemeinsam ist die Wirkung auf das Gehirn: Die Blutgefäße im Kopf werden erweitert, wodurch eine Art Entzündung des Hirngewebes entsteht, mit den bekannten schmerzhaften Folgen.

Was kann man als Migräne-Geplagter tun?

Es gibt einige Dinge, die Betroffenen helfen. So ist es beispielsweise wichtig, ein Migränetagebuch zu führen. Damit lokalisiert man mögliche Auslöser und man kann dann gezielt gegensteuern. Darüber hinaus empfehlen sich Entspannungstechniken und Atemtechniken. Überhaupt sollte man Ruhepausen einplanen sowie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Mahlzeiten, eine ausgewogene Ernährung und die optimale Versorgung mit Mikronährstoffen achten.

Welche Dinge sind hier besonders wichtig?

Zunächst einmal die Versorgung mit Magnesium. Es ist oftmals nicht in ausreichender Menge vorhanden, aber enorm wichtig für den Energiestoffwechsel und den Elektrolythaushalt. Gute Magnesium-Lieferanten sind z. B. Kürbis, Quinoa, Mandeln, Hülsenfrüchte sowie Gerstengras. In der Apotheke gibt es als Ergänzung zudem eine Kombination verschiedener Magnesiumsalze als Kapseln oder zum Trinken. Dann ist Vitamin B2 zu nennen. Es wurde bereits in mehreren Studien erfolgreich zur Prävention von Migräne eingesetzt, ebenso wie das Coenzym Q10 als Antioxidans und Vitamin E bei hormonellen Auslösern. Ebenfalls wichtig sind Vitamin B6, Vitamin C und Zink, wenn Histamin eine Rolle spielt. Um akute Schmerzen zu lindern, sind klassische Präparate mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol oder Kombipräparate sowie spezielle Arzneimittel erhältlich, die allerdings vom Facharzt verschrieben werden müssen.

Hat man zusätzliche natürliche Möglichkeiten?

Selbstverständlich! Viele Pflanzen enthalten Stoffe, die bei Migräne lindernd oder auch prophylaktisch helfen. Mutterkraut etwa wirkt dort, wo der Schmerz entsteht, nämlich in den Blutgefäßen im Kopf. Darüber hinaus haben sich ätherische Öle, wie Pfefferminzöl zur äußeren Anwendung oder Lavendel, Melisse, Rose, Eukalyptus und Zitrone in der Duftlampe, als Badezusatz oder verdünnte Einreibung, bewährt. Aber Vorsicht: Manche Öle können für Babys und Kleinkinder gefährlich sein!

Übrigens hat schon Hildegard von Bingen den einseitigen Kopfschmerz gekannt und ein Mittel dagegen gefunden: den Birnhonig (Anm.: Rezept im unten stehenden Kasten). Und natürlich gibt es ebenso homöopathische Mittel, wie Nux vomica, Iris, Ignatia, Secale cornutum, Ipecacuanha und Cimicifuga oder Schüßlersalze, die gegen Migräne eingesetzt werden. Bei Letztgenannten z. B. die „Heiße Sieben“, also Magnesium phosphoricum, wobei 7–10 Stück in heißem abgekochtem Wasser aufgelöst und schluckweise getrunken werden.